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Natur auf Vancouver Island

  • Autorenbild: Alex
    Alex
  • 9. März
  • 5 Min. Lesezeit

Im vorherigen Abschnitt habe ich ja schon angedeutet, dass wir einige Ausflüge in die Natur gemacht haben. Hier ein paar mehr Einblicke in unsere Wanderungen – in die Flora, aber auch in die kanadische Fauna, die sich manchmal sehr laut zu Wort gemeldet hat.


Küstenkraxeln

Maire hatte netterweise eine Tour rausgesucht, die als „moderat“ beschrieben wurde. Spoiler: Es ging teilweise steil nach oben und unten – da musste man schon mal die Hände aus den Taschen nehmen.


Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Handykamera die Farben so gut einfängt
Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Handykamera die Farben so gut einfängt

Bevor es losging, haben wir an die Rucksäcke Bärenglocken gehängt, weil Sooke (wo wir wandern waren) Bärengebiet ist. Diese Glocken waren verdammt nervig. Aber genau das sollten sie auch sein. Die Idee ist, dass Wildtiere wie Schwarzbären oder Pumas dich früh hören und sich denken: „Nö.“ Und dass du nicht aus Versehen wie leise Beute durch den Wald schleichst. Beute macht kaum Geräusche, stolpert nicht quer durch den Wald und redet nicht die ganze Zeit. Die Glocken verstärken genau das: Sie machen irritierende Geräusche, die die Tiere schwer einordnen können – und genau dadurch bleiben sie im Idealfall weg.

Kanadier haben für sowas diese typisch lockere Art. Einer sagte uns so nebenbei, bei Bären solle man einfach reden und langsam zurückweichen, das passe schon. Bei Pumas solle man nach vorne gehen und im Zweifel angreifen – klar, das wäre auch mein erster Gedanke. Aber es ist irgendwie logisch: Dem Tier durch Großmachen und angedeutete Kampfbereitschaft signalisieren, dass wir keine Beute sind. Ich hoffe trotzdem, dass ich euch das nur hypothetisch erkläre und der Feldtest für uns beide ausbleibt.


Egal, zurück zur Wanderung: Nach etwa 30 Minuten durch Wald – der bis auf das dichte Moos auch ein deutscher Wald hätte sein können – kam plötzlich wie aus dem Nichts die Küste. Und damit fing die eigentliche Wanderung erst an.


der Wald endete und wir sind hier gestrandet
der Wald endete und wir sind hier gestrandet

Zuerst einmal war die Aussicht beachtlich. Dazu eine ordentliche Prise Soundkulisse: Wellen, Möwen, Blätterrauschen (Anm. Maire: alles natürlich übertönt von unseren Glocken) – und ein wiederkehrendes, hochfrequentes Freudesquietschen von Maire über die schöne Aussicht (Anm. Maire: Eher wohl sehr wichtigen Erklärungen darüber was ich gerade entdeckt habe).

Stellt euch die Soundkulisse hier selbst vor
Stellt euch die Soundkulisse hier selbst vor

Von dort konnte man sogar die Küste der USA sehen, das, was wir für den Olympic-Nationalpark hielten. Diese Nähe zu „da drüben“ hatte für mich einen komischen Nachgeschmack, weil politische Nachrichten einem das Fernweh manchmal versalzen. Aber abseits davon: landschaftlich wirklich schön. Und als Bonus gab’s sogar Datenempfang, weil wir so nah dran waren. Das ist doch mal vorrauseilende Gastfreundschaft.


Ich habe die Aussicht dann wie ein wahrer Mann genossen – und nach ungefähr 47 Sekunden wollte ich weiter. Maire dagegen wollte in dieser friedlichen Idylle mit beruhigender Soundkulisse und angenehmer Temperatur lesen und alles achtsam in sich aufnehmen. Verrückt. Also gut: erst lesen, dann weiter.


Da dachten wir, wir hätten 50% geschafft
Da dachten wir, wir hätten 50% geschafft

Danach wurde der Weg schmal. Rechts ging es steil hoch, links steil runter auf spitze Felsen und Meer. Man hatte nicht viel Spielraum. Und dann ging der Pfad auf einmal die Steilwand hoch. Wir dachten: Das kann nicht deren Ernst sein. Eine gelbe Wegmarkierung antwortete: Doch, ist unser Ernst.

Da war der Weg einfach futsch
Da war der Weg einfach futsch

Aus dem „2 1/2 Stunden“-Trip wurde damit eine vierstündige Wanderung mit Klettereinlage. Aber: Es war wundervoll. Vorher hatte ich Angst, es könnte langweilig werden – und am Ende sind wir durch dichten Busch, an der Küste runter und hoch, über Bäume und zum Schluss sogar stromaufwärts durch einen Fluss gelaufen.


Es ging einmal durch zugewachsene Höhlen...
Es ging einmal durch zugewachsene Höhlen...

.... dann den Flusslauf hoch!
.... dann den Flusslauf hoch!

10/10 Wanderung. Aber „moderat“ war das nicht.



Otter, Weißkopfseeadler und Seehundparty


In den letzten zwei Wochen haben wir einige Tiere gesehen. Die Städte und Dörfer sind voll von Eichhörnchen und Kaninchen, und manche kommen so nah, dass Streicheln theoretisch drin wäre. Aber um diese süßen Nagetiere soll es hier nicht gehen.

Als wir am ersten Strand entlanggelaufen sind, haben wir einen nassen Kopf aus dem Wasser bemerkt. Erst dachten wir: Seehund. Eine Woche später haben wir dann eine Doku über Vancouver Island auf Netflix gesehen (sehr zu empfehlen übrigens) und erst richtig verstanden, wie groß Otter eigentlich sind. (Anm. Maire: ich muss mir unbedingt noch ein Fernglas anschaffen) Jedenfalls: Es waren mehrere Otter da, die in der Sonne lagen und aussahen, als hätten sie den Tag schon gewonnen – bis sie immer wieder gezielt von Möwen angegriffen wurden.


Hier ist der Otter/Seehund
Hier ist der Otter/Seehund

Und dann wollte zu unserem Erstaunen auch noch ein Weißkopfseeadler mitmachen. Neben den Möwen und den Ottern hat er wahrscheinlich die Fische gesehen, jedenfalls kam er immer wieder aus verschiedenen Baumkronen herunter und lieferte uns ein kleines Spektakel. Natürlich oft genau dann, wenn die Kamera wieder eingepackt war. Typisch.


Ihr müsst mir einfach glauben. Es war ein Weißkopfseeadler - ich schwör!
Ihr müsst mir einfach glauben. Es war ein Weißkopfseeadler - ich schwör!

Ein paar Tage später waren wir in der Nähe von Nanaimo am Strand. Maire meinte, wir sollten weitergehen, da „heult ein Seehund“. Wir gingen weiter – und aus dem einen heulenden Seehund wurde eine ganze Horde, die sich im Wasser nahe der Küste herumtrieb. Einige lagen mit beiden Flossen nach oben im Wasser und waren offensichtlich komplett im Reinen mit ihrem Leben. Drumherum jagten und sprangen andere Seehunde aus dem Wasser, kloppten sich und rieben die Schnauzen aneinander. Es war richtig schön, sich einfach hinzusetzen und zu schauen und zuzuhören. Nach und nach kamen weitere Leute dazu und blieben ebenfalls stehen. Es hatte was von einem stillen, netten Zusammenkommen – nur eben mit wilder Seehundparty als Programm.


Ich habe hier auch ein kleines Video reingeladen. Es fängt die Szene nicht komplett ein, aber man bekommt einen Eindruck. Das meiste passiert am Ende des Videos.



Wasserfall mit anschließender Polizeisperre


Die letzte Wanderung, die wir bis dato gemacht haben, ging wieder zu einem Wasserfall – diesmal aber, und ich verspreche es: ohne Hängebrücke.

Ich bin immer wieder beeindruckt von den Wäldern hier. Vor allem in den Parks wirkt das nicht wie „aufgeräumte Forstwirtschaft“, sondern wie Wald, der einfach Wald sein darf: knorrige Bäume, kein geschniegelt freigeräumter Boden für Maschinen, umgestürzte Stämme, die einfach liegen bleiben.


Seht ihr das Moos?! Mega, oder?
Seht ihr das Moos?! Mega, oder?

Dazu eine dicke Moosschicht, die wie ein Teppich alles bedeckt. Und dann dieser feuchte Geruch, das ständige Rauschen irgendwo im Hintergrund – einfach schön.

Der Wasserfall an sich war nichts Spektakuläres: nicht besonders hoch, nicht besonders breit. Aber es war SO friedlich.



Er rauschte in einen kleinen Pool und plätscherte dann weiter, und die Gischt hing in den Sonnenstrahlen der Waldlichtung, als hätte jemand einen weichen Filter über die Szene gelegt.



Danach sind wir noch zwei Stunden weiter durch den Wald. Die Wanderwege hatten teilweise interessante Namen wie „Betrunkener Holzfäller“, „Europa“, „Wolverine“ und „Quatchi“.



Bei der Rückfahrt sind wir dann direkt in eine polizeiliche Straßensperre mit Blaulicht geraten. Als wir standen, bemerkten wir sogar ein SWAT-Fahrzeug und mehrere schwer bewaffnete Männer, die aus einem Haus an der Straße rein und raus gingen. Es sah so aus, als wären wir spontan in eine Hausrazzia geplatzt. Nach fünf Minuten durften wir aber weiterfahren. In den Nachrichten konnte ich zu genau diesem Einsatz nichts finden, aber anscheinend gab es in der Gegend mehrere Drogenrazzien.


Das ist doch mal ein unerwarteter Abschluss. Zum Runterkommen: hier noch die restlichen Wanderfotos (Anm. Maire: Naja eine Auswahl, sonst wären hier bestimmt noch mindestend 50 Fotos).



Behind the scene: Sehr unvorteilhaft :D
Behind the scene: Sehr unvorteilhaft :D

Der hölzerne Kumpel hier kam mir bekannt vor.
Der hölzerne Kumpel hier kam mir bekannt vor.

 
 
 

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