Am Mittwoch Wal was los
- aleber20
- vor 5 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Am Mittwoch den 03.06.2026 haben Maire und ich uns aufgemacht Meer zu sehen als an anderen Tagen. Also haben wir uns Orcanisiert und wurden mit einer Killer Aussicht Wallich belohnt (Anm. Maire: was eine qwal diesen Satz zu lesen). Gerne nehme ich euch mit auf unsere kleine Reise, auf der wir unter anderem die Futtersuche von Noah und Janet/Neilson begleiten durften – und gelernt haben, dass Orcas verdammte Muttersöhnchen sind.
Der Start der Tour

Ich habe mich nach etwas Recherche für Eagle Wing entschieden, weil sie mir, nach Website und Reviews, am ehesten wie die Sorte Anbieter vorkamen, die auf Abstand und Tierwohl achten. Gleich am Anfang haben die Guides auch sehr klar gemacht: Die einzige Frage, die sie immer mit Nein beantworten werden, ist: „Können wir näher ranfahren?“
Und das ist auch ziemlich handfest geregelt: In Kanada gelten Mindestabstände zu Meeressäugern, und bei Killer Whales in BC sind die Regeln besonders strikt: 200 m zu Orcas. Und falls ein Wal doch in die Nähe kommt, ist die Vorschrifft nicht „Motor an und draufhalten“, sondern: Motor in Leerlauf und die Tiere vorbeiziehen lassen.

Gegen 10 Uhr morgens sind wir an Fisherman’s Wharf gestartet – kleiner Hafen, viele bunte Hausboote, und dieses Gefühl, dass man gleich entweder Tierdoku oder Windkanal bekommt (Anm. Maire: hab hier natürlich erstmal mein Handy auf der öffentlichen Toilette vergessen).

Wir sind erst Richtung Osten raus und dann weiter nördlich entlang, und es war schnell klar: warm wird das heute nicht. Es war windig, es wurde kalt – aber nach einer kurzen Aufwärmphase waren wir genau rechtzeitig wieder an Deck, um die ersten Tier-Sichtungen mitzunehmen.
Die erste Station war bei den Trial Islands – inklusive Leuchtturm. Fun Fact: Das ist einer der wenigen Leuchttürme hier in der Gegend, bei dem es (zumindest zeitweise) noch richtige Leuchtturmwärter-Strukturen gibt und nicht nur automatisiert.

Daneben chillte auf einem Felsen ein Weißkopfseeadler, den man auch von weiterm sehr gut sehen konnte.


Direkt vor dem Leuchtturm lagen dann auch schon die ersten Seehunde auf den Felsen. Um Victoria gibt’s mehrere Arten, aber an dem Spot waren es die üblichen Verdächtigen: Pacific harbour seals. Und ja: Die Farben sind unterschiedlich, st aber unter anderem Alters-/Fellmuster und keine andere Art..

Meine Fotos waren leider nicht so hochauflösend, ich möchte sie euch trotzdem nicht vorenthalten.

Wir hatten uns innerlich schon auf das klassische „eine Stunde suchen und warten“ eingestellt. Und dann kam plötzlich ein Funkspruch, und der Guide meinte nur: „Auf 1 Uhr Orcas.“
Die ersten Sichtungen

Ich musste mich erst dran gewöhnen, worauf ich achten muss und wie man das Ganze überhaupt fotografisch timed, ohne in eine dauerhafte Kameraanspannungshaltung zu verfallen.
Das Muster der Orcas ist ungefähr so:
Erst siehst du eine leichte Bewegung im Wasser.
Dann schneidet eine Rückenflosse durch die Oberfläche.
Direkt danach kommt der Blow = die kurze Fontäne beim Ausatmen.
Dann noch ein kleiner Moment Körper / Schnauze – und zack: wieder weg


Das Ganze wiederholt sich ein paar Mal in der Gegend, und dann tauchen sie oft länger ab (teilweise 5-10 Minuten), wenn sie wirklich am Jagen sind. Und ja: Sie jagen die Robben die wir gerade auf dem Felsen gesehen haben hier im Wasser. Das ist dann der Moment, in dem man den Kreislauf der Natur anerkennend für seine Grausamkeit und praktizibilität zunickt.

Wir sind dann an dieser stell ungefähr eine halbe Stunde geblieben und haben uns die verschiedenen Tauchvorgänge der Wale angeschaut.
Es kamen auch weitere Beobachtungsboote. Anscheinend sprechen die verschiedenen Gruppen von Wahlbeobachtern sich ab und teilen die Orte für den Tag.

Nach ungefähr zehn Minuten Fahrt gab’s direkt die nächste Sichtung. Diesmal teilten uns die Guides mit, dass es sich um zwei Männchen handelt, "Noah" mit seinem Onkel. Es sei eher unüblich, ein Männchen ohne Mutter zu sehen. Mehr dazu gleich in den Fakten, denn: Orca-Familienleben ist… speziell.

Danach ging’s weiter nach Norden, ungefähr unterhalb von Sidney, und wir hatten nochmal ein bis drei Orcas, die dort ebenfalls auf Jagd gingen. Mehrere Guides kamen sichtbar begeistert zu uns und meinten, es sei ungewöhnlich, mehrere verschiedene Gruppen so nah beieinander jagen zu sehen. Wir konnten diese wissenschaftliche Beobachtungshysterie nicht ganz teilen, gönnten ihnen aber den Moment.
Und währenddessen passierte bei mir etwas sehr emotinales. Ich war völlig fasziniert. Man starrt wie gebannt aufs Wasser (klar, man hat auch Geld dafür bezahlt) und freut sich wie sonstwas, wenn diese schwarze Flosse auftaucht. Jeder Moment fühlt sich an wie Glücksspiel oder Weihnachten: Dreht er Kreise? Bleibt er kurz oben? Siehst du vielleicht sogar die Schwanzflosse? Kommt noch einer? War’s das? Man weiß es nicht. Maire hat das irgendwann durchschaut und sich zurückgelehnt – wenn schon einer von uns den Foto-Wahn macht, kann die andere auch einfach genießen. Fair.

Interessante Fakten über Orcas
„Orca“ und „Killerwal“ sind im Kern dieselbe Art. Das Wort orca kommt über das wissenschaftliche Orcinus orca aus dem Lateinischen; „orca“ wurde in der Antike als Bezeichnung für ein Meerestier/„Walartiges“ benutzt . Der Begriff Killerwal ist im Vergleich dazu eher ein PR-Unfall aus der Seefahrerzeit: Seeleute sahen, wie Orcas große Meerestiere und auch Wale jagen, nannten sie erst sinngemäß „whale killers“, und daraus wurde dann „killer whales“. Deshalb sagen heute viele lieber „orca“, weil „Killerwal“ einfach wie eine moralische Bewertung klingt. Die Guides sagten aber auch, dass ,man den begriff Orca zurückführen könnte auf Teufelstier oder Tier des Teufels. Also macht es keinen Unterschied, dem Wal stört es eh nicht. Wir könnten ihn deswegen auch hoffnungsvoll Timmy nennen, er würde trotzdem sterben.

Und jetzt der Teil, der wirklich witzig ist, weil er so menschlich wirkt: Orcas sind stark familiär organisiert, oft matriarchal, also entlang der Mutterlinie. Und die Söhne sind… nun ja: verdammte Muttersöhnchen. In vielen Gruppen bleiben Männchen lebenslang im Familienverband. Muddi ist nicht nur „dabei“, sie ist in der Praxis oft der soziale Mittelpunkt.

Wenn ein erwachsener Sohn irgendwann Nachwuchs zeugt, passiert das typischerweise „außerhalb“ der eigenen engen Linie – aber wohnen tut er weiter im Hotel Mama. (Das war der Moment, in dem ich mich kurz gefragt habe, ob wir wirklich so unterschiedlich sind.)

Janet/Neilson ist für mich die Orca/Forscher Story der Tour: Als Jungtier wurde er erst für weiblich gehalten und bekam den Namen Janet bis irgendwann klar wurde: Nö, das ist ein Männchen. Also wurde aus Janet kurzerhand Neilson, aber er hieß ja schon Janet. Problem? Nein, wir haben ja Schrägstrich. Seit seine Mutter um 2007 gestorben ist und seine beiden Schwestern inzwischen eigene Familien haben, ist Janet/Neilson meistens allein unterwegs , auch lone Males genannt oder wie wir sie nennen würden: Incels.
Wale sind auch eine der wenigen Tiere, die Nach ihrer Menopause noch lange leben. Eigentlich sollte man meinen, dass sie in der Tierwelt, sobald sie Ihre gene nicht weitergeben können, überflüssig sind. Nicht hier, weil es ähnlich ist wie bei uns Menschen (no Front). Es muss von den Mutter oder ja dann Omatieren Kulturelles Wissen an die ganze Gruppe übertragen werden.

Groups sind also eher Familiencluster, die sich je nach Population zu größeren Einheiten zusammenschalten und die haben teils sogar Dialekte, also gruppenspezifische Rufmuster. Das ist wie Bundesländer mit eigenen Sprachfärbungen, nur dass das „Dorf“ im Meer schwimmt und die Leute 6–8 Tonnen wiegen (Grüße gehen raus an das Bundesland Bayern).
Und der letzte fakt, um das Weltbild der meisten etwas zu verderehen: Orcas sind biologisch die größten Delfine, und eigentlich keine „klassischen“ Wale. Das heißt: Wir nennen den größten Delfin der Welt „Killerwal“, weil er manchmal andere Wale jagt. Das ist ungefähr so, als würde man einen Menschen „Elefantenkiller“ nennen, weil irgendwo mal jemand Elefanten gejagt hat. Aber um fair zu sein, dann müssten wir den menschen Alleskiller nennen, was wiederum auch Sinn ergeben würde.

Anderes in dieser Tour
Neben Robben und Leuchtturm gab’s noch eine Insel, die nur für Vögel existiert, mit ein paar bunten Hütten für Forschung. Das war Mandarte Island. Da wird tatsächlich seit Jahrzehnten Vogelzeug gezählt, beobachtet und wissenschaftlich auseinandergenommen und die Insel ist so klein, dass man sie eher als „Fels mit Forschungsambitionen“ beschreiben könnte.
Die Insel war voll mit Möwen, aber auch mit Kormoranen. In Brutstimmung haben einige Arten diese auffällig blau/türkis gefärbten Kehlsäcke – sieht aus, als hätten sie sich für ein Festival geschminkt. (Und ja: eure bereitgestellten Fotos haben das viel besser gezeigt als meine Kamera.)



Als wir an der Insel vorbeischipperten, kam ein Weißkopfseeadler vorbei (oder derselbe wie vorher. Adler sind in meiner inneren Datenbank noch nicht individuell sortiert). Und exakt in dem Moment sind andere Vögel in Massen hochgeflogen. Plötzlich waren es gefühlt 200+ in der Luft. Der Guide meinte, das sei kein Zufall: Panik bedeutet Unordnung, Unordnung bedeutet Chancen. Chancen auf Jungtierem die für den Adler leichte Beute darstellen. Ob wir den eigentlichen „Beutezug“ gesehen haben? Natürlich nicht. Der passierte wahrscheinlich genau dann, als ich die Kamera eingepackt hatte.

Ende der Tour und weitere Bilder

Und so endete auch die Tour und der Beitrag, kalt, windig, glücklich, mit zu vielen Bildern und zu wenig Zeit, sie alle so zu sortieren, dass sie im Blog nicht wie ein schlechter PowerPoint-Absturz wirken. Ich probiere hier drunter mal das Galerie-Feature aus, damit ihr mehr Fotos sehen könnt, ohne dass es im Beitrag wie bei Hempels unterm Sofa ausschaut.
PS: Nochmal ein herzliches Dankeschön an meine Jugendamt-Kollegen, die diese Tour mit einem Gutschein unterstüzt haben :) Go Team 3!











































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