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Museum Royal

  • Autorenbild: Alex
    Alex
  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

An einem Nachmittag beschlossen wir kurzerhand, in das hiesige Museum zu gehen. Bitte jetzt nicht aufhören zu lesen, obwohl ich das verstehen könnte. Meine Familie, vor allem meine liebe Mutter (Grüße gehen raus) , fällt wahrscheinlich vor Unglauben vom Stuhl, sobald sie liest, dass ich mich freiwillig in ein Museum traute und diesem auch noch einen ganzen Eintrag widme.



Dieses private Hintergrundwissen sollte euch jetzt subtil mitgeteilt haben, dass dieses Museum und unser Besuch es auf jeden Fall wert waren, darüber zu schreiben – und vice versa es für euch die Zeit wert ist, dies zu lesen.


Die erste Ebene: Die Natur auf Vancouver Island und in British Columbia



Das erste der beiden Obergeschosse des Museums beinhaltete alles, was in British Columbia seit der Eiszeit passiert ist , exklusive Mensch. Wir fangen also chronologisch an, und das Museum führt uns durch ein paar in BC gefundene Fossilien, Knochen und Gesteine. Alles in Schaukästen, alles soweit das typische Museumserlebnis.



Ich begann, meine Eintrittskarte zu bereuen. So wie ihr wahrscheinlich bis jetzt den Artikel.


Dann bogen wir in einen großen Raum ab, aus dem laute, tiefe, kehlige Geräusche kamen. Als ich in der Tür stand, sah ich mich Auge um Auge mit einem lebensgetreuen Mammut.



Wie stimmig das alles wirkte: mit den Felsen und Eiszapfen aus Plastik, den Geräuschen, ja sogar die Klimaanlage wurde leicht aufgedreht, um dem Raum den letzten atmosphärischen Schliff zu geben (Anm. Maire: als Kind hätte ich sehr viel Angst vor diesem Mammut gehabt, als Erwachsene habe ich mich natürlich gar nicht unwohl gefühlt bei diesem riesigem Tier) .


Ab hier dachte ich dann: Das war es mit dem Museum. Das Mammut habe ich irgendwo schon mal auf irgendeinem Prospekt gesehen. Das war das Highlight, das Eyecandy, der Köder. Von hier an geht es bergab.


Es ging weiter mit einer Ausstellung über Insekten und Lebensräume.


Der Mountain Pine Käfer (Anm. Maire: nicht in echter  Lebensgröße zum Gück)
Der Mountain Pine Käfer (Anm. Maire: nicht in echter Lebensgröße zum Gück)

Viele Zahlen und viel Text. Interessant war die Schreibart und wie sich der Subtext gestaltet hat. Es ging sehr schnell ums Klima und darum, wie die Klimakatastrophe all das verändert. Es fing schleichend an, in ein, zwei Nebensätzen zu den Insekten im Boden und dem Wenigerwerden der Insekten durch Hitze. Dann wurde es immer deutlicher beim Artensterben, und zuletzt ging man durch einen Gang, wo links und rechts Fotografien von Waldbränden hingen.


Nirgendwo stand: Der Mensch ist schuld und wir müssen was ändern. Eventuell wäre dem gepflegten Nordamerikaner das zu viel Bevormundung in seiner Meinungsfreiheit. Es wurde eher so geschrieben wie zum Beispiel: Es sind tausende Arten gestorben – bis jetzt. Oder: Die Eiszeit war der größte Klimawandel – bis jetzt. Damals haben Menschen überlebt. Wir werden sehen, wer nun überlebt.


Also: Sie haben ganz viel Alarm geschlagen, ohne die direkten Worte zu benutzen. Ich fand das irgendwie beeindruckend. Der ganze Gang hat einen immer weiter in die Katastrophe reingeschubst. Der Besuchende war alarmiert, ohne dass es mit dem Holzhammer kam und eventuell irgendwelche Idioten zum Boykott aufgerufen hätten.


Aus dem Gang der Flammen™ ging es dann in einen dunklen, runden Saal. Ich dachte erst: Wo bin ich denn falsch abgebogen? Denn ich stand auf einmal im Wald. Gegenüber von mir grasten ein paar Hirsche und versteckten sich im Dickicht.



Hier zu sehen den Roosvelt Elch
Hier zu sehen den Roosvelt Elch

Das Museum dachte sich einfach mal: Wir bauen einen Wald aus Pappmaché nach. Es hat gut funktioniert. Auch hier waren Waldgeräusche, und ich bilde mir ein, es war auch kälter und die Luftfeuchtigkeit höher.


Dann zur Linken: ein Bär.


Wie viele nachgestellte Tiere endeckt ihr hier neben dem Grizzly Bär?
Wie viele nachgestellte Tiere endeckt ihr hier neben dem Grizzly Bär?

Den habe ich ja mal gar nicht bemerkt. Es war ein riesiges Diorama mit echtem fließendem Wasser. Und man entdeckte immer mehr kleinere dort heimische Tiere, je länger man hinschaute.



Nebenan waren Tafeln, die etwas über die Natur und die Tiere aussagten. Mich regte das viel mehr an, mich zu informieren, da die Tiere ja gerade in 3D vor mir standen. Irgendwie fühlte ich mich von der Museumsgestaltung angenehm manipuliert.



Dann ging es fließend über in eine Küstenregion, begleitet von Wellenrauschen und natürlich einer Menge Robben und Seelöwen.





Auch die auf der Waltour gesehenen Kormorane mit dem blauen Gurgelbereich wurden dort an der Seite auf einem Felsen platziert.



Es gab auch echte Tidal Pools, so wie wir sie in Renfrew einige Monate zuvor gesehen haben.


Links an der Seite wurde außerdem simuliert, wie das Meerwasser sich mit Druck einen Tunnel durchs Gestein fräst.



Jetzt war ich mir sicher, alles gesehen zu haben, und bin mit meinen Gedanken abgetaucht. Zwei Sekunden später befanden wir uns in einem U-Boot, mit teilweise echten Aquarien als Bullaugen und Fenster. Es war echt irre. Ich hatte gar nichts erwartet, wollte nicht viel lernen und hatte informativen Spaß.


Dann habe ich mich nach dem U-Boot-Teil, nachdem die Ebene tatsächlich auch vorbei war, auf die Menschen gefreut.



Die zweite Ebene- der Mensch kommt dazu


Ein Stockwerk höher ging ich von demselben Aufbau aus: Funde von Menschen von der Stein-/Eiszeit bis in die Gegenwart. Das war auch nicht ganz falsch, es wurde sich aber sehr stark auf Victoria als Stadt spezialisiert und vor allem auf das 19. und 20. Jahrhundert. Und mit spezialisiert meine ich: Sie haben Teile davon einfach nachgebaut.



Wir kamen wieder aus einem typischen Museumsraum, mit vielen Tafeln und Ausstellungsstücken, gingen um eine Ecke und standen in einer Stadt. Also, wir waren immer noch in derselben Stadt, nur nicht mehr im selben Jahrhundert.



Hier war der Aufbau dann etwas anders. Es gab einen Gang mit mehreren Hausfassaden aus dem 19. Jahrhundert, und man konnte in einige hineingehen. Das nachgebaute Grandhotel, das es heute noch in Victoria gibt, war sogar zweistöckig begehbar.



Im Nachbargebäude war dann sogar noch ein alter Fotoautomat aufgebaut. Nun gut, es war nicht alles alt, sondern eher ein Bildschirm, an dem man ein Foto machen konnte. Dieses wurde dann in einem Video mit Animationen gezeigt, inklusive der vielen Schritte, die nötig waren, um das Foto zu entwickeln. Viel spannender war aber, wann was bei welcher eingetauchten Flüssigkeit auf dem Bild zu sehen war.


Dann ging es weiter in den oberen Bereich des nachgebauten Saloons. Wir hatten ab diesem Zeitpunkt leider nicht mehr allzu viel Zeit, denn wir hatten maßlos unterschätzt, wie lange wir für das Museum brauchen würden. Der Saloon war oben mit Gästezimmern ausgestattet und hatte ein kleines Büro.


Wieder unten angekommen, der Saloon an sich war leider nicht begehbar , war eine kleine Hausfassade mit allen möglichen Geschäften und ein kleiner Reitstall nachgebaut.



Auch gab es schon Ansätze von Victorias damaligem Chinatown, was sich aber auf eine Ecke begrenzte.


Also raus aus der Stadt und rein in ... die Mine? Direkt um die Ecke war dann der Raum für die Goldgräberzeit. Riesige Holzkonstruktion, nachgebauter Berg. Irre.



Dann ging es in den nächsten Raum und da war dann, na klar, ein Schiff. Die „DISCOVERY“ war vor 200 Jahren hier im Museum gestrandet. Ich war schon verwundert, einen halben Segelschiffskörper hier zu sehen, aber nach dem U-Boot eigentlich der inneren Logik folgend – na ja, logisch.



Im Inneren des Segelschiffes waren eine Kajüte und ein Kapitänszimmer.


Wieder vor dem Schiff begegneten wir noch einigen Eisbären, und das war es dann mit dem Museum.



Living Languages


Nicht ganz, denn es gab noch einen separaten Raum für gelebte indigene Sprache und den Erhalt dieser.



Es gab Texte und Filme darüber, wie divers die indigenen kanadischen Sprachen sind und wie viele verschiedene es gibt. Soweit ich mich richtig erinnere, waren es ca. 34 grundverschiedene Sprachen allein in British Columbia und insgesamt 70 in ganz Kanada. Hier auf Vancouver Island sind es, soweit ich richtig recherchiert habe, sechs verschiedene Sprachen.



Dieses Haus war das Haus von Chief Kwakwabalasami, dem verstorbenen Jonathan Hunt, einem Kwakwaka’wakw-Chief aus Tsaxis nahe Fort Rupert, BC (Anm. Maire: klingt als wolltest du ein Referat starten). Es ist ein Nachbau eines typischen Big Houses, wie es von den Kwakwaka’wakw an der Pazifikküste Kanadas für soziale, kulturelle und zeremonielle Zwecke genutzt wurde. Gebaut aus massiven Zedernstämmen und Planken, oft mit kunstvoll geschnitzten und bemalten Pfosten und Hausfronten, war so ein Haus eher ein Clan-Wohnzimmer, Zeremonienraum und politischer Mittelpunkt in einem. Historisch teilten sich Familienmitglieder einer na’mima, also eines Clans mit gemeinsamem Vorfahren, dieses Haus. Wichtige Familien lebten jeweils in einer der vier Ecken, während der Haupt-Chief vorne in der Mitte saß


Fazit

Also, ich muss sagen: Die Museumsgestaltung fand ich wirklich gut. Man wurde selten mit Textwänden zugeknallt, und wenn doch, animierte eine realitätsnahe 3D-Darstellung dazu, diese auch durchzulesen. Es gab immer wieder kreative Möglichkeiten, die das Interesse neu entfachten. So war im U-Boot ein Suchspiel am Computer eingebaut. Es gab interaktive Knöpfe in fast jeder Ausstellung, und die Nachbauten waren so detailreich, dass man immer noch eine interessante Kleinigkeit entdeckt hat.


Schon allein, dass ich einen ganzen Artikel über das Museum schreibe, wird wohl Lob genug an die Museumsdesigner sein



 
 
 

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