Vancouver Island zu Fuß: Küstenpfade, Regenwald und kleine „Gehört das noch zum Wanderweg?“-Momente
- Alex

- 17. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Auch wenn wir den Großteil unserer Zeit hier gearbeitet haben und nicht so viel Neues erlebt haben, haben sich doch drei, vier kleinere Wanderungen und Momente angesammelt, die ich mir hier von der Leber schreiben möchte. Sie sind nicht chronologisch zu den anderen Beiträgen, sondern sind einfach hier und da mal entstanden.

Port Renfrew und der Regenwald
Eigentlich wollten wir mit dem Van zur Upper Avatar Grove, einem Waldstück, in dem die „gnarliest trees“ stehen sollen – also die knubbeligsten, knorrigsten Bäume überhaupt. Der Zugang war aber leider wegen der Wetterbedingungen gesperrt (wir waren Anfang März dort). Also haben wir uns auf dem Weg dorthin verschiedene kleine Küstenpfade rausgesucht und am Ende bei Port Renfrew einen längeren Naturwanderweg gemacht, der Regenwald und Küste gleichermaßen mitnimmt.

Aber alles etwas strukturierter und nicht alles auf einmal ausgekotzt. (Anm. Maire: Aber warum denn nicht? So erzähl ich doch am liebsten.)

Die kleineren Pfade am Küstenrand waren wirklich schön. Den ganzen Tag hat es geregnet – aber das hat die Waldgebiete nochmal lebendiger gemacht. Überall sprudelt und quillt es aus jeder Ecke. Wir gehen leise durch den Wald, hören einen Vogel zwitschern, untermalt vom Plätschern eines Bachs als Bass, dann kommt der Rhythmus eines tropfenden Baumes dazu, und immer wieder wird das Ganze vom Refrain des Windes aufgelockert – plus das Knarzen einer Holzbrücke als Bridge. (Anm. Maire: Wow, Musikwitze??) Ein wirklich gelungenes Stück.
Wir sind dann an eine Küste gekommen, wo ein sehr rutschiger, moos- und sträucherbewachsener Fels lag, der davor halb im Wasser gelegen hatte. Ein paar mutige Kanadier sind da hoch. Ich hab’s probiert – aber selbst mit Wanderschuhen bin ich geschlittert wie die sprichwörtliche Kuh auf dem Eis.

Ich habe die Kuh dann wieder reingeholt, indem ich mich gegen die Besteigung entschieden habe.

Der Hauptpfad war dann etwas südlich von Renfrew: der Botanical Beach Trail. Die Wege waren wegen des Wetters komplett überhäuft mit Wasser.

Teilweise hatten sich kleine Seen direkt auf dem Wanderweg gebildet, um die man herumklettern musste. Leider hatte ich mein Kanu zuhause gelassen. Konnte ja keiner ahnen, dass das hier ein Wasserpfad wird.

Als wir dann den Regenwald verließen und zur Küste kamen – ein langer, steiniger Strand voller interessanter Muscheln, Steine und Algen – ging es weiter zu den sogenannten Tidal Pools: kleine, in den Sandstein gefräste Löcher, die sich mit Salzwasser füllen und ein eigenes Mini-Ökosystem bilden, mit Anemonen, Krebsen und allem, was da so krabbelt, ohne gefragt zu werden. Wir haben versucht, eine seltene violette Anemone zu sichten, sind dabei aber leider gescheitert. Die Tidal Pools will ich euch trotzdem nicht vorenthalten.


Danach ging es zurück zum Wagen und wieder nach Victoria. Witzig war: Als wir in Renfrew gestartet sind, lag rechts und links noch ordentlich Schnee. Erst nach etwa einer Stunde Fahrt schmolz der Schnee weg und es war nur noch regnerisch. Und windig. In der Stadt sind wir fast weggekegelt worden. Das war krass.
Mount Finlayson
Wir wollten an dem Tag mal aus der Stadt raus und „eine kleine Wanderung“ machen. Der Pfad wurde betitelt als schnell und nicht anstrengend (Anm. Maire: und vor allem ohne viel klettern, wir wollten ja was entspanntes machen): Mount Finlayson in Langford, einmal hoch, einmal runter, fertig.
Unten am Einstieg standen dann zwei völlig fertige Personen, die sich erst mal einen Joint reindrückten und meinten, sie hätten Aufstieg und Abstieg deutlich unterschätzt und bräuchten jetzt eine Pause. Wir sind trotzdem los – wenn auch ohne grünen Motivationsantrieb.

Die ersten 20 Meter waren klar, bis der Pfeil plötzlich einfach eine Felswand nach oben zeigte. Links und rechts geschaut, ob da ein Weg ist. Nein. Da war nur Fels. Also gut, dann eben hoch. Und so ging das dann bis nach oben. Manchmal waren die Pfeile auch widersprüchlich, was eine sehr interessante Art ist, Vertrauen in ein Leitsystem aufzubauen.

Nichts desto trotz: Es war wirklich schön, so schnell Höhenmeter zu machen und dann die Aussicht zu haben. Wir haben wieder ein Polaroid versucht – es wird langsam besser. Nur Tiefe und Gegenlicht haben uns diesmal auf dem Foto fast unsichtbar gemacht, was vielleicht auch eine Form von Schutz ist.

Oben angekommen konnten wir die Wälder um Langford sehen und eine alte Minenbrücke. Ein paar Bergblumen waren auch da.

Pumas zum Glück nicht. Danach sind wir über einen anderen Pfad runter, der wirklich einfach war. Vielleicht meinte der Wanderguide auch genau den. Naja. Ich will die Erfahrung trotzdem nicht missen.
Küsten in Victoria
Auch in der Stadt kann man es ziemlich gut aushalten, wenn man etwas abseits von Downtown die Küste entlanggeht. Wir haben meterlange Strände gefunden, an denen die Gezeiten die Steine rund geschliffen und meterweise dickes Treibholz angeschleppt haben. Robben und Otter kann man hier wohl öfter sehen. Sogar Orcas kommen vorbei – da braucht man aber Glück.


Maire hat eines Tages die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und ist schwimmen gegangen. (Anm. Maire: es war sehr kalt). Einfach schön, dass sowas hier im Alltag möglich ist.



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