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Die Kanadareise in Polaroids I

  • Autorenbild: Alex
    Alex
  • 5. Juni
  • 6 Min. Lesezeit

Ich suchte händeringend nach Beitragsideen, die ich euch hier soufflieren (Anm. Maire: Alex hat nämlich eine vorliebe fürs vorsagen vonTexten) kann und die nicht nach dem ersten Absatz in sich zusammenfallen. Gar nicht so einfach, weil Maire und ich die letzten Monate in einem repetitiven Alltag festhingen: Arbeit, Workout, Dogsitting. Die paar Ausnahmen habe ich in den anderen Beiträgen schon verwurstet, und mein Kopf fühlte sich zwischendurch an wie eine leere Höhle, in der ich mich nach irgendwas Essbarem in Form von Inspiration verzehrte.


Dann habe ich eine kleine Wandzeichnung entdeckt, die sinngemäß sagte: Lass doch die Reise Revue passieren – aber diesmal aus der Perspektive der Polaroids, inklusive Gedanken und Kommentaren dazu. Also: hier nochmal unsere Reise soweit. Nur eben durch eine andere Linse (haha).




Prolog: Frankfurt, 13 Uhr, und der erste Fehler

Angefangen hat das ganze Drama am Frankfurter Flughafen, nach 13 Uhr. Davor war noch alles gut. Wir haben sogar noch ein schönes Abschlussfoto hinbekommen. Und dann kam ein Fehler, der mich direkt mehr als 100 Euro kostete und die ersten 20 geknipsten Fotos praktisch unbrauchbar machte.


Das war der letzte Moment, wo die Filme noch funktionierten. Ich halte ihn in Ehren.
Das war der letzte Moment, wo die Filme noch funktionierten. Ich halte ihn in Ehren.
Und hier vielleicht für euch spannend: wie sich ein Polaroid mit der Zeit entwickelt und Farben und Schärfe nachziehen. Das eine Bild zeigt das Polaroid etwa 30 Minuten nach Aufnahme. Das andere zeigt es nach viereinhalb Monaten. Polaroid ist manchmal wie ein langsamer Gedanke: Erst kommt die grobe Idee, später das Detail.
Und hier vielleicht für euch spannend: wie sich ein Polaroid mit der Zeit entwickelt und Farben und Schärfe nachziehen. Das eine Bild zeigt das Polaroid etwa 30 Minuten nach Aufnahme. Das andere zeigt es nach viereinhalb Monaten. Polaroid ist manchmal wie ein langsamer Gedanke: Erst kommt die grobe Idee, später das Detail.

Dann kam der Röntgenmoment: Das Sicherheitsröntgen am Flughafen hat die Filme unwiederbringlich beschädigt. Man erkennt das an diesen bleichen, manchmal rötlichen Bildern, die aussehen, als hätte jemand die Realität einmal kurz aus Versehen ausgewaschen. Später habe ich erfahren, dass ich das hätte verhindern können: Wenn man auf die Kameratasche schreibt „Bitte nicht scannen – enthält Film“ (oder es aktiv ansagt), wird in der Regel eine Handkontrolle gemacht. Schaden ist leider der beste Lehrmeister. Ich werde es jetzt nie wieder anders machen.

Es gab noch ein paar Fotos, bei denen man zumindest Ansätze eines Motivs erkennen konnte, zum Beispiel Maire beim Geschirrspülen. Der Rest war entweder komplett rot/braun oder weiß/blau. Sehr künstlerisch, nur leider nicht absichtlich.
Es gab noch ein paar Fotos, bei denen man zumindest Ansätze eines Motivs erkennen konnte, zum Beispiel Maire beim Geschirrspülen. Der Rest war entweder komplett rot/braun oder weiß/blau. Sehr künstlerisch, nur leider nicht absichtlich.
Besonders ärgerlich waren die Schneebilder: Ich wollte diese dicken Schneeflocken einfangen, und das Foto ist sogar erstaunlich scharf geworden (für Polaroid-Verhältnisse). Wäre der Röntgenschaden (Anm. Maire: und die Minustemperaturen) nicht gewesen, wären Blenden- und Zeiteinstellungen wahrscheinlich richtig gut gewesen.
Besonders ärgerlich waren die Schneebilder: Ich wollte diese dicken Schneeflocken einfangen, und das Foto ist sogar erstaunlich scharf geworden (für Polaroid-Verhältnisse). Wäre der Röntgenschaden (Anm. Maire: und die Minustemperaturen) nicht gewesen, wären Blenden- und Zeiteinstellungen wahrscheinlich richtig gut gewesen.

Aber stattdessen blieb es bei einer Geisterversion der Szene. Dazu kam: Maire hatte sehr dunkle Kleidung an, und Polaroid verschluckt Details in dunklen Flächen gerne komplett. Gleichzeitig reflektiert Schnee so viel Licht, dass alles drumherum schnell in Weiß ertrinkt. Es wäre also ohnehin ein Kampf geworden, nur hätte ich ihn gerne wenigstens mit funktionierendem Film verloren.


Das war die Szene bzw. eine sehr ähnliche, die ich einfangen wollte. Glaube es wäre generell schwierig geworden, denn Maire hatte sehr dunkle Sachen an, wo die Polaroid gerne mal Details verschluckt. Zudem reflektiert der Schnee soviel licht, dass alles drumherum komplett in Weiß getaucht worden wäre.
Das war die Szene bzw. eine sehr ähnliche, die ich einfangen wollte. Glaube es wäre generell schwierig geworden, denn Maire hatte sehr dunkle Sachen an, wo die Polaroid gerne mal Details verschluckt. Zudem reflektiert der Schnee soviel licht, dass alles drumherum komplett in Weiß getaucht worden wäre.

Dadurch ist leider auch das Foto der Niagarafälle sehr blass geworden, und alle Schneebilder aus Toronto waren praktisch hinüber. Sie gehören trotzdem zum Gesamtbild dazu. Nur halt eher, wie erwähnt, als Geisterversionen ihrer selbst.


Bei den Niagarafällen wollte ich unbedingt ein gutes Foto haben – damals habe ich mich sogar von ChatGPT beraten lassen. Die KI meinte wortwörtlich, das sei „brutal schwierig“ und eine „Reflexionshölle“. Ich finde aber: Dafür, dass der Film beschädigt war, die Lichtbedingungen nicht gut waren und Gischt plus Schnee alles komplizierten, sind die Bilder einigermaßen gelungen. Man kann die Fälle erkennen und zuordnen. Das ist manchmal schon ein Erfolg.
Bei den Niagarafällen wollte ich unbedingt ein gutes Foto haben – damals habe ich mich sogar von ChatGPT beraten lassen. Die KI meinte wortwörtlich, das sei „brutal schwierig“ und eine „Reflexionshölle“. Ich finde aber: Dafür, dass der Film beschädigt war, die Lichtbedingungen nicht gut waren und Gischt plus Schnee alles komplizierten, sind die Bilder einigermaßen gelungen. Man kann die Fälle erkennen und zuordnen. Das ist manchmal schon ein Erfolg.
Die iPhone-Kamera ist bei solchen Motiven natürlich im Vorteil. Gischt und Schnee machen alles schwieriger oder eben „brutal“. Das Polaroid entstand links oben am Bildrand.
Die iPhone-Kamera ist bei solchen Motiven natürlich im Vorteil. Gischt und Schnee machen alles schwieriger oder eben „brutal“. Das Polaroid entstand links oben am Bildrand.

Die ersten vernünftigen Fotos

Nachdem wir durch Montreal gereist waren und langsam durch Trial and Error verstanden hatten, warum die Fotos nichts werden, haben wir die Pille geschluckt: Die mitgebrachten Filme sind verloren. Ich habe im örtlichen Best Buy neue Filme bekommen – und zwei Stunden später standen wir im Capilano Suspension Bridge Park und wollten es nochmal wissen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich ich über diese dunklen, verwackelten Fotos war. Einfach, weil sie im Vergleich zu den weißen/roten Ausfällen plötzlich wieder nach Fotografie aussahen.

Erst später habe ich verstanden, wie schwierig Motive mit Schatten sind  und wie Polaroid bei Mischlicht reagiert. Links das Schild im Schatten, rechts die Brücke mit unterschiedlichen Helligkeitszonen. Vielleicht keine idealen Lehrmotive. Aber dafür sehr ehrliche.
Erst später habe ich verstanden, wie schwierig Motive mit Schatten sind und wie Polaroid bei Mischlicht reagiert. Links das Schild im Schatten, rechts die Brücke mit unterschiedlichen Helligkeitszonen. Vielleicht keine idealen Lehrmotive. Aber dafür sehr ehrliche.

Hier dann die Motive, wie sie eigentlich gewirkt haben. Besonders bei der Brücke war ich überrascht, wie viel Tiefe und Detail im Polaroid verloren gehen. Das ist der Moment, in dem man merkt: Polaroid ist einfach ein anderes Medium. Es filtert die Welt und ich darf nun lernen wie.

Was hier so schwierig war: Vordergrund in der Sonne, Mittelgrund im Schatten, hinten reflektiert die Brücke wieder. Ich habe mich damals noch auf den Automodus verlassen, der alles selbst festlegt. Damit war er komplett überfordert. Also begann ich, mich mit dem manuellen Modus auseinanderzusetzen.
Was hier so schwierig war: Vordergrund in der Sonne, Mittelgrund im Schatten, hinten reflektiert die Brücke wieder. Ich habe mich damals noch auf den Automodus verlassen, der alles selbst festlegt. Damit war er komplett überfordert. Also begann ich, mich mit dem manuellen Modus auseinanderzusetzen.

Einen Tag nach dem Brückentag sind wir auf den Berg nahe Vancouver gefahren. Ich war überzeugt, dass das Sonnenlicht zu großartigen Fotos führen würde. Auf Reflektionen und den miserablen Autofokus der Polaroid i-2 war ich nicht vorbereitet. Seht selbst.

Das mittlere Foto entstand mit von ChatGPT („Chat Tschibidi“ für die Boomer) empfohlenen Einstellungen. Das hat mir am Anfang geholfen, aber ich merkte schnell: Damit lerne ich nicht wirklich. Und die Empfehlungen reichen für „okay“, aber nicht für „gut“.
Das mittlere Foto entstand mit von ChatGPT („Chat Tschibidi“ für die Boomer) empfohlenen Einstellungen. Das hat mir am Anfang geholfen, aber ich merkte schnell: Damit lerne ich nicht wirklich. Und die Empfehlungen reichen für „okay“, aber nicht für „gut“.

Was bei diesen Fotos außerdem auffällt: diese gelben Punkte. Ich weiß bis heute nicht sicher, warum die da waren. Es sieht aus, als hätte der Film dort nicht richtig entwickelt. Erst dachte ich: Scan-Fehler. War’s nicht. Dann dachte ich: Hat das Gerät beim Röntgen was abbekommen? Die Punkte tauchten später nicht mehr auf. Entweder hat sich die Kamera selbst repariert oder der neu gekaufte Film hatte auch Probleme in der Entwicklung. So wie wir alle.



Erinnerung mit Kanten

Wofür Polaroids immer funktionieren, sind emotionale Momente. Ein guter Abend in einer Bar, Treffen mit Freunden oder wie hier: der Kauf unseres Vans. Gerade 11.000 $ losgeworden und bereit für die Abenteuer auf Vancouver Island. Dazu kommt: wie klar und farbenfroh dieses Bild im Vergleich zu den vorherigen ist. Das fühlt sich an wie ein next Level.


Wir haben dem Verkäufer auch ein Polaroid mit ihm und Wally dem Van geschenkt. Er strahlte wie das allbekannte Honigkuchenpferd.
Wir haben dem Verkäufer auch ein Polaroid mit ihm und Wally dem Van geschenkt. Er strahlte wie das allbekannte Honigkuchenpferd.

Und dann dieses Bild aus dem irischen Pub: Ich wollte Maire im pompösen, nach oben offenen Irish Pub fotografieren, mit Live-Band im Hintergrund. Eingefangen habe ich… eine Maire. Aber dafür eine glückliche und erstaunlich scharf, für Polaroid-Verhältnisse.


Es gibt noch ein weiteres Barfoto, entstanden an Maires Geburtstag. Ich mag es auch sehr, aber mir wurde „nahegelegt“, es nicht zu veröffentlichen. Man muss ja nicht alles mit euch teilen.
Es gibt noch ein weiteres Barfoto, entstanden an Maires Geburtstag. Ich mag es auch sehr, aber mir wurde „nahegelegt“, es nicht zu veröffentlichen. Man muss ja nicht alles mit euch teilen.

Victoria auf Polaroids

Angekommen auf Vancouver Island, ausgestattet mit neuem Film und einem fahrbaren Untersatz, sollte man meinen, ich hätte viel ausprobiert und geknipst. Leider kam dann Heimweh und die Frustration darüber, keinen Job zu finden. Dadurch sind in dem Zeitraum kaum Polaroids entstanden, weil ich mich nicht noch zusätzlich frustrieren wollte. Rückblickend hätte ich genau so eine Beschäftigung gebraucht. Aber hinterher ist man bekanntlich… und so weiter.


Das zweite Foto entstand im Hostel nach einer Rollenspielrunde. Wir wollten den Moment festhalten, ich habe die Lichtwerte (EV) nach oben korrigiert, weil es schummrig war und dann hat die weiße Auflaufschale in der Mitte des Tisches das komplette Licht an sich gerissen. Neben meiner Stirn die einzige echte Reflexionsquelle. Na super.
Das zweite Foto entstand im Hostel nach einer Rollenspielrunde. Wir wollten den Moment festhalten, ich habe die Lichtwerte (EV) nach oben korrigiert, weil es schummrig war und dann hat die weiße Auflaufschale in der Mitte des Tisches das komplette Licht an sich gerissen. Neben meiner Stirn die einzige echte Reflexionsquelle. Na super.
Das Polaroid vom Aladin dem Pfau mag ich sehr (Himmerkusener OGs wissen, wovon ich rede), aber die Farbpracht hat das iPhone einfach besser eingefangen. Polaroid kann Stimmung – iPhone kann „wie es wirklich aussah“.
Das Polaroid vom Aladin dem Pfau mag ich sehr (Himmerkusener OGs wissen, wovon ich rede), aber die Farbpracht hat das iPhone einfach besser eingefangen. Polaroid kann Stimmung – iPhone kann „wie es wirklich aussah“.
Interessant fand ich auch, wie grünlich das Polaroid von Mino dem hund geworden ist. Da sieht man, wie anfällig die Kamera für Reflektionslicht von Sträuchern oder Moos ist. Die Natur färbt mit.
Interessant fand ich auch, wie grünlich das Polaroid von Mino dem hund geworden ist. Da sieht man, wie anfällig die Kamera für Reflektionslicht von Sträuchern oder Moos ist. Die Natur färbt mit.

Ein paar Polaroids sind auf Wanderungen entstanden. Besonders eins hat einen emotionaleren Wert: Mir ging es an dem Tag richtig schlecht. Dritter Tag bei Kälte im Van, Heimweh, es kristallisierte sich heraus, dass wir länger auf einen Job warten mussten, und das Geld wurde spürbar weniger. Maire hat mich dann zum Strand getreten. Dort konnten wir einen Weißkopfseeadler bei der Jagd und einen Otter beim Chillen sehen. Kurz kam Motivation zurück. Ich bat um ein Foto am Strand, weil Maires Haare mit dem Hintergrund harmonierten. Das Polaroid ist unterbelichtet und trotzdem eines meiner liebsten.


Dann nochmal der Strand aus anderer Perspektive.
Dann nochmal der Strand aus anderer Perspektive.
Das ist die in Bild 2 zusehende Brücke.
Das ist die in Bild 2 zusehende Brücke.
Ein fast 1:1 Vergleich zwischen Motiv und Polaroid: Das Polaroid entstand 20 Sekunden vorher. Man sieht, wie das Gegenlicht mir und der Kamera zugesetzt hat. Trotzdem ist es ein besseres Wasserfallfoto geworden als bei den Niagarafällen. Ich komme irgendwann noch zu einem wirklich ansehnlichen Wasserfallfoto. Irgendwann.
Ein fast 1:1 Vergleich zwischen Motiv und Polaroid: Das Polaroid entstand 20 Sekunden vorher. Man sieht, wie das Gegenlicht mir und der Kamera zugesetzt hat. Trotzdem ist es ein besseres Wasserfallfoto geworden als bei den Niagarafällen. Ich komme irgendwann noch zu einem wirklich ansehnlichen Wasserfallfoto. Irgendwann.

Bei zwei weiteren Fotos kam langsam die Motivation zurück. Links wollte ich die Spiegelung im Wasser einfangen – halb gelungen. Rechts war auf halbem Weg zum Gipfel des Mount Finlayson. Ich wollte uns mit Tiefe im Hintergrund einfangen. Nicht gelungen. Nächstes Mal würde ich den Autofokus ausschalten, die Belichtungszeit runterfahren und den Lichtwert (EV) nach oben nachkorrigieren. Ich glaube, das hätte ein besseres Foto gegeben.

Und dann nochmal Mount Finlayson mit Wind und Tiefe
Und dann nochmal Mount Finlayson mit Wind und Tiefe

Beim Schreiben und Zusammenstellen merke ich gerade, dass das hier den Rahmen eines Blogeintrags sprengt. Deshalb nenne ich diesen Teil jetzt Teil I  und gebe euch den zweiten Teil, der farbenfrohere und schärfere Polaroids enthalten wird, im Laufe der nächsten Tage/Wochen



 
 
 

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