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Backpacking im winterlichen Kanada

Aktualisiert: 31. Jan.

Unsere Reise von Toronto nach Montreal mit dem Zug
Unsere Reise von Toronto nach Montreal mit dem Zug

Eigentlich wollte ich hier unsere Zugfahrt von Toronto nach Montreal beschreiben. Wir hatten sie gebucht, in der Vorstellung, eine idyllische Reise durch eine von Walt Disney gezeichnete Schneelandschaft zu erleben. Die Realität sah leider anders aus: Der über Nacht gefallene Schnee wurde vom Zug aufgewirbelt, sodass wir die meiste Zeit in einer Schneewolke fuhren und kaum weit sehen konnten. Dazu kam, dass die Zugfenster stark vereist waren, was den Blick zusätzlich trübte. Als ich dann im Zug saß – was trotzdem eine angenehme, entschleunigende Erfahrung war –, dachte ich darüber nach, wie ich den in meinem Kopf geplanten Beitrag über die Zugfahrt sinnvoll ummodeln könnte. Ich entschied mich dafür, stattdessen über das Reisen mit Rucksack allgemein zu schreiben, aber besonders über das Reisen bei Schnee und Minusgraden. Also: herzlich willkommen.


Leider war die Aussicht nicht so zeigenswert. hier eins der besseren Bildern
Leider war die Aussicht nicht so zeigenswert. hier eins der besseren Bildern

Packen für Monate: Theorie trifft Rucksack


Schon das Kofferpacken für eine mehrmonatige Reise ist anstrengend. Was braucht man für diese Zeit? Gefühlt: sehr vieles. Handwärmer, Kabel, Laptop, Reiseführer, Lichterkette, Tasse, ein paar Anziehsachen.


Dann lagen alle Sachen auf einem Haufen – und wir wollten sie in den dafür vorgesehenen Rucksackraum drapieren. Wir liefen (man kann es sich denken) direkt in eine Platzproblematik hinein, aus der der Ausweg „Reduktion“ hieß. Also: nette Kleinigkeiten raus (Anm. Maire vor allem bei Alex, nicht so sehr bei mir. Meine Lichterkette wurde stark belächelt), und nochmal von der Kleidung her gedacht.


Wir reisen im Winter. Also brauchen wir warme Sachen. Ich habe erst mal sechs dicke Pullover eingepackt – dann war der Rucksack voll. Dann dachte ich: Viele empfehlen, Anziehsachen zu rollen. Also rollte ich die Pullover. Ergebnis: Der Rucksack war voll mit sechs gerollten Pullovern. Keine Revolution. Also wieder alles raus.


Der Trick aus der Misere war am Ende das Prinzip der Zwiebel – oder, wie es hip heißt: Layering. Statt „ein Kleidungsstück muss alles können“ haben wir viele Schichten eingeplant: Unterhemd, T-Shirt, Sweatshirt, leichter Pulli, Jacke. Damit sind wir bisher gut gefahren. So konnten wir sogar bei -20 Grad ein bis zwei Stunden draußen wandern, ohne sofort zu bereuen, überhaupt einen Körper zu besitzen. Trotzdem mussten wir die Menge reduzieren. Grob habe ich jetzt so gepackt, dass ich etwa neun Tage ohne Waschen auskomme. Danach muss ich mich der Hygiene beugen – oder die soziale Umwelt (Anm. Maire: also Ich) dann mir. Schauen wir mal, wie das läuft.



Wenn dann mal das Leben im Rucksack ist, kann es rausgehen in die Kälte
Wenn dann mal das Leben im Rucksack ist, kann es rausgehen in die Kälte

Reisen, wenn es so kalt ist


Hier müsste eigentlich noch ein Absatz stehen, der so klingt, als hätten wir alles im Griff. Die Wahrheit ist: Man lernt es unterwegs. Aber ein paar Dinge kristallisieren sich schnell heraus bei Minusgraden: Es ist bewältigbar – und sobald man einmal eingeschalt ist, auch wirklich schön. Die Kälte kriecht nicht automatisch in die Knochen, und man kann diese kanadische Winterlandschaft tatsächlich genießen. Nervig ist nur der Akt des Einschälens an sich: Wenn man raus möchte, dauert es erst mal, bis man alle benötigten Sachen aus dem Rucksack zusammengesucht und angezogen hat. Genauso beim Heimkommen – nur rückwärts.



Maire steht hier auf dem Gehweg. Links von ihr die Straße in einem Wohngebiet
Maire steht hier auf dem Gehweg. Links von ihr die Straße in einem Wohngebiet

Draußen rettet Thermounterwäsche einem das Leben, denn die Kälte ist oft nur der Feind an der Seitenlinie. Der wahre Gegner ist der Wind. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie durchgefroren wir bei -6 Grad mit Wind waren. Laut App: gefühlt -23. Erst haben wir gelacht, dann gebibbert.

Aber hat man sich erst mal zurechtgefunden und weiß, dass man bei Wind enge Gassen besser meidet, macht die kalte Luft hier einem den Kopf frei. Und man fühlt sich richtig schön lebendig.


Interessant wurde es, als wir das erste Mal den Schlafplatz wechselten. Wir planten die Route so, dass wir gegen 10:20 am Bahnhof sein sollten. Dann kam die kanadische Frau Holle und lud Berge an Schnee auf die Straßen. Fanden wir sehr schön. Dann fuhren die Busse nicht mehr und wir standen morgens früh, voll bepackt, im Tiefschnee. Fanden wir nicht so schön. (anm. Maire: mein toller kleiner Koffer hat wirklich gute Rollen, bringt leider nichts, wenn 50cm Schnee liegt).


Ein rettender Uber-Fahrer kam vorbei – fast so teuer wie die Öffis. Er rutschte in einigen Kurven ordentlich, aber wir kamen sicher durch Toronto.


Hier wurde Maire vom Zug ausgespuckt und wir waren bei 50 cm Neuschnee auf dem Weg zum Hostel
Hier wurde Maire vom Zug ausgespuckt und wir waren bei 50 cm Neuschnee auf dem Weg zum Hostel

Es ist immer spannend, sein ganzes Zeug zusammenzupacken, unterwegs in eine Ecke des Fahrzeugs zu werfen, dann wieder aufzusetzen und abends irgendwo abzuladen – um den Prozess am nächsten Tag zu wiederholen. Ich fühle mich dann immer frei, so als könnte ich alles erleben und überall hin. Gleichzeitig ist es auch stressig, weil man nicht weiß, wo man landet und wie es dort sein wird. Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft bringt.

 
 
 

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