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Wir haben einen Van!

Wir haben den Großteil unserer Zeit in Vancouver damit verbracht, einen Campervan zu suchen. Die Suche, den Kauf und die ersten Eindrücke des Vanlifes – also das Sparen von Unterkunftskosten, indem man irgendwo am Straßenrand parkt – fasse ich (Anm. Maire: wir) hier in diesem Artikel zusammen.


Erste Fahrt im frisch gekauften Van
Erste Fahrt im frisch gekauften Van

Suche und Probleme

Wir hätten nicht damit gerechnet, dass sich die Suche über ganze zwei Wochen ziehen würde. Der Automarkt in Kanada war (oder ist es immer noch) über den Winter leergefegt. Laut vielen Berichten sollte der Markt vor Campervans überlaufen – aber Anfang Februar war davon nichts zu merken.

Wir haben vielleicht fünf Leute angeschrieben, die überhaupt infrage kamen. Davon haben wir zweieinhalb angeschaut. Zweieinhalb, weil bei einem Verkäufer niemand die Tür aufgemacht hat. Wir standen nur 20 Minuten im Regen, und es ist jedes Mal ein besonderes Gefühl, wenn dann drei Stunden später eine Nachricht kommt: „Sorry, war eine lange Nacht gestern.“ Aber gut – war nicht schlimm, denn wir stellten später fest, dass der Campervan das Lenkrad auf der linken Seite hatte. Deshalb war er auch so billig. Da leuchtete dann einiges ein.

Ein anderer Van war soweit in Ordnung, hatte aber keinen Katalysator mehr. Der war geklaut und durch ein Rohr ersetzt worden. Weil es hier keinen TÜV gibt, interessiert das offenbar keinen so richtig. Der Verkäufer hat sich danach nicht mehr zurückgemeldet – also war er auch raus.

Der dritte – und damit der Gewinner – war ein Van namens Wally.


Hier ist der Gute
Hier ist der Gute

Kauf und Ablauf in Kanada

Der Autokauf selbst war überraschend einfach – aber das Drumherum war dann doch mehr, als wir erwartet hatten. Aber der Reihe nach.

Der Van war zwar älter (Baujahr 2001), hatte aber einen neu eingebauten Motor. Wir hatten einen Mechaniker engagiert, der vor dem Kauf alles nochmal kontrollierte. Am Motor selbst hat er auch nichts Großes bemängelt, eher Kleinigkeiten: ein Türgriff, der nicht richtig funktioniert, und Risse außen am Kühler. Rost war nur oberflächlich – was hier im regnerischen Vancouver bei fast allen älteren Autos irgendwann dazugehört. Wally kam außerdem mit Solarpanel und einem bereits umgebauten Innenleben. Nach längerem Hin und Her haben wir uns dann entschieden.

Das Bett ist zum Glück erweiterbar, sodass ich auch grade liegen darf
Das Bett ist zum Glück erweiterbar, sodass ich auch grade liegen darf

Wir verabredeten uns mit dem australischen Paar zur Übergabe. Zusammen gingen wir zu einem Autobroker, der Verkauf, Nummernschilder und Versicherung in einem macht. In British Columbia – also der Provinz, in der wir den Van anmelden – gibt es eine staatliche Grundversicherung, und ohne diese darf man kein Auto anmelden. Man kann zusätzlich noch privat versichern, aber um die staatliche kommt man nicht herum.

Dann kam der erste Schock: der Preis. 3.400 $ für ein Jahr. Wir bekommen zwar etwas zurück, weil wir nicht das ganze Jahr nehmen, aber trotzdem: Come on. Und man hat nicht mal eine Wahl. Es wird wohl günstiger, wenn wir unseren Führerschein in einen kanadischen tauschen – aber dann wird der deutsche zerschnitten. Mal sehen, ob wir das übers Herz bringen (Spoiler: ja Maire schon).

Nachdem wir das mental verdaut hatten, kam der nächste Moment, der kurz hängen blieb: Der Broker gab uns drei Nummernschilder zur Auswahl – alle fingen mit „SS“ an. Auf unsere Nachfrage, dass wir als Deutsche doch gerne andere Buchstaben hätten, meinte er nur, er hätte eben nur die mit SS; andere Broker bekämen andere Startkombinationen. Dann blickte er uns an und gab uns, so wie er es offenbar verstand, die kulturelle kanadische Erlaubnis mit den Worten: „Should be okay, guys, it’s been a long time for you.“

Was auch noch dazu kommt: Auf den Kaufpreis muss man nochmal Steuern zahlen. Wir konnten uns mit den Verkäufern aber darauf einigen, offiziell einen geringeren Betrag anzugeben, als wir tatsächlich gezahlt haben. So haben wir da wenigstens ein bisschen Geld gespart.

Nach dem Kauf ging es zum ersten Mal zu Walmart.

Die Kamera hat noch nichtmal den ganzen Laden erfasst
Die Kamera hat noch nichtmal den ganzen Laden erfasst

Ein riesiger Laden – aber genau deswegen dann auch dahin. Der hatte einfach alles. Außerdem besagt die urbane Legende, dass der Gründer von Walmart selbst mal im Van gelebt hat und deshalb die Parkplätze zum Übernachten zur Verfügung stellt (Anm. Maire: haben wir aber noch nicht direkt ausprobiert).

Wir haben dann bei Walmart, bei IKEA und im dänischen Bettenzentrum den Rest für den Van zusammengesammelt. Voll ausgestattet haben wir noch eine letzte Nacht in Vancouver verbracht – und dann ab zur Fähre nach Vancouver Island.


Hier wurde Wally mit Decken und Kissen eingedeckt - Pun intended
Hier wurde Wally mit Decken und Kissen eingedeckt - Pun intended

Erste Eindrücke

Maires Pflanze muss vorne mitfahren (Anm. Maire: Sonst bekommt sie Reiseübelkeit und wird grün im Gesicht)
Maires Pflanze muss vorne mitfahren (Anm. Maire: Sonst bekommt sie Reiseübelkeit und wird grün im Gesicht)

Wir haben jetzt vier Tage im Van verbracht: einen davon am Straßenrand und die anderen drei in einem Provincial Camping Park. Und natürlich gab es direkt Probleme mit unserem neu gekauften Wagen. War ja klar.

Der Van sprang nach der Nacht am Straßenrand zwar an, ging aber später mitten in der Fahrt aus – erst auf einem Parkplatz, dann quasi direkt wieder, als wir gerade los wollten. Die Batterie war komplett leergezogen (Anm. Maire: hätte ich mal besser nicht versucht mein Handy am Zigarettenanzünder zu laden). Zum Glück haben uns vier nette ältere Damen mit ihrem Wagen und ihrem Starthilfekabel ausgeholfen. Ich glaube zwar, dass danach das Auto der Dame auch halb „fritte“ war, aber sie meinten nur, sie regeln das schon. Also sind wir zu dem Mechaniker gefahren, den sie uns empfohlen haben.

Und ich muss wirklich sagen: Ich war sehr angetan von diesem Exemplar Mechaniker. In Deutschland hatte ich oft das Gefühl, dass Kfz-Mechatroniker einen (oder allgemein Leute mit wenig Autoerfahrung) für komplette Idioten halten. Der hier war das Gegenteil. Er hat alles ruhig erklärt, dabei eine angenehme Stimmung verbreitet – das muss man erst mal können. Und: Er hat das Problem identifiziert und nichts dafür berechnet.

Ab hier übernehme ich (Maire) mal, weil Alex Kopfschmerzen hat und ja schon länger kein Beitrag mehr kam. Wir wollen hier ja niemanden enttäuschen.

Also: Der Mechaniker war sehr nett. Er hat uns gezeigt, dass die Zündung bzw. die Schlüssel so durch waren, dass man sie bei laufendem Motor abziehen kann und der Motor trotzdem weiterläuft.

Auch die Leute beim Schlüsseldienst, zu dem er uns geschickt hat, waren super freundlich. Tatsächlich haben sie uns einfach neue Autoschlüssel graviert (Anmerkung Alex: sie meint nachgemacht), so wie wir das sonst nur von simplen Wohnungstürschlüsseln kennen. Spannende Sache, dass das auch geht.

Mit den neuen Schlüsseln kamen wir dann erst mal gut klar, bis sie die Zündung austauschen konnten.

Ein weiteres Problem ist, dass unser Motor Öl verliert, aber darum kümmern sich dann Zukunfts-Alex und Zukunfts-Maire.


Jetzt zu dem deutlich spannenderen Teil: dem Campen.


Anm. Alex: Ich gebe zu, dass die Lichterkette von Maire eine gute Idee war ( Waaas??)
Anm. Alex: Ich gebe zu, dass die Lichterkette von Maire eine gute Idee war ( Waaas??)

Wir hatten direkt eine spaßige Begegnung auf dem ersten Campingplatz. Da wir im Dunkeln ankamen, haben wir uns einfach irgendwo hingestellt, wo frei war, uns dort gemütlich eingerichtet, was gekocht und gedacht: Um die Anmeldung kümmern wir uns morgen, wenn es hell ist und der Wald nicht mehr ganz so gruselig wirkt. Es gab nämlich nirgendwo Beleuchtung. Ziemlich cool, außer wenn man nicht weiß, wie die Gegend im Hellen aussieht.(Anmerkung Alex: Der Sternenhimmel dort war grandios)

Während wir also aßen, wurden wir plötzlich geblendet, und ein älterer Mann stieg aus seinem Van aus und eröffnete uns, dass wir auf seinem Platz stehen und ob wir seinen Zettel denn nicht gesehen hätten. Hatten wir offensichtlich nicht. Es war ja sehr dunkel, und der Zettel klebte auf Kniehöhe an einem kleinen Poller. Auch wenn der Herr zuerst eher unfreundlich wirkte, war er dann doch sehr nett, gab uns noch Tipps und ließ uns auf seinem Platz bleiben.

Am nächsten Tag stellten wir fest, dass es über Nacht doch sehr kalt wird in unserem Van. Es ist ja generell manchmal schon schwierig, morgens aus dem Bett zu kommen. Aber wenn außerhalb der Bettdecke Temperaturen im einstelligen Bereich sind, wird es nochmal deutlich schwieriger. Wir haben es aber irgendwann dann doch geschafft. Mir hat das Campen in diesem dunklen Wald sehr gut gefallen. Der Sternenhimmel war beeindruckend (Anmerkung Alex: Grandios (vgl. Bernhardt/Spinner 2026; Kap.7 Abs.4) und nachdem ich den Wald im Tageslicht gesehen hatte, war er auch nicht mehr so gruselig.

Ansonsten braucht beim Campen einfach alles länger. Es entschleunigt, aber in der Kälte hatten wir dafür nicht immer die Geduld.

Grandioser Sternenhimmel
Grandioser Sternenhimmel

Dass wir theoretisch mitten im Bärengebiet waren, fand vor allem Alex eher einschüchternd. Ich habe da eher die Haltung: Es wird schon nicht passieren und wenn doch, wird es vermutlich auch nicht so wild (Anmerkung Alex: Doch, ist ja dann ein wilder Bär). Wir sind jedenfalls keinem Bären begegnet.

Ein weiteres Thema ist der Platz im Van. Man muss morgens alles verstauen, damit man fahren kann, und abends wieder rausholen. Und dann kommt dazu, dass der Van insgesamt nur begrenzt Platz bietet. Zwei Dinge, die für eher unordentlich veranlagte Personen wie uns (Anmerkung Alex: Ahh...), na ja, vor allem mich (Anmerkung Alex: ...okay gut), nicht gerade die beste Voraussetzung sind.

Hier ein Einblick in das Chaos was man veranstalten muss, nur um für 30 min kochen zu können
Hier ein Einblick in das Chaos was man veranstalten muss, nur um für 30 min kochen zu können

Ich glaube aber auch, dass die Kälte dazu beigetragen hat, dass sich das alles nerviger angefühlt hat, als es bei warmen Temperaturen gewesen wäre.

Nach drei Nächten haben wir uns dann entschieden, doch noch eine Weile in ein Hostel zu gehen und von dort aus nach Jobs zu suchen.

Was ich tatsächlich sehr positiv finde ist das Fahren mit dem Van. Ich bin sehr lange keinen großen Wagen gefahren und habe eigentlich erst letztes Jahr mit dem Bulli von meiner Arbeitsstelle so richtig angefangen. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass es richtig Spaß macht den Van zu fahren.

Ich denke, wenn es etwas wärmer ist, macht es dann erst richtig Spaß, mit Wally zu reisen.




 
 
 

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